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Buchhaltung? Kein Hexenwerk!

Die erste BWA

Dorotheas Reise - Teil 9

BerufsWege für Frauen und Social Business Women e.V., Weiterbildung für Frauen, Buchhaltung, Hände einer Frau auf der Tastatur, Blätter mit Statistiken liegen nehmen ihr

Willkommen zurück! Im letzten Teil hat Dorothea ihren blinden Fleck entdeckt: Sechs Monate lang hatte sie in ihrem Arbeitszimmer gearbeitet, ohne einen einzigen Euro Raumkosten zu verbuchen. Das ist erledigt, 210,60 Euro pro Monat sind nachgetragen, Buchungskonto 4210. Jetzt endlich kann sie tun, worauf sie sich schon eine Weile freut: Sie will wissen, wie ihr Business wirklich läuft.

Dorothea öffnet ihre Buchhaltungssoftware, klickt sich zu den Auswertungen – und da ist sie: die BWA. Betriebswirtschaftliche Auswertung. „Klingt nach Steuerberater-Sprache”, denkt Dorothea. Aber ihre Coach hatte ihr gesagt: Das ist das Instrument, mit dem Du Dein Business steuerst. Also schaut sie genauer hin. 

Was die BWA eigentlich ist

Die BWA ist kein Steuerformular. Sie muss nirgendwo abgegeben werden. Sie gibt eine klare Auskunft darüber, wie Dein Geschäft tatsächlich läuft: eine Verdichtung aller Buchungen zu einem Bild davon, wo Dein Geld herkommt und wo es hingeht. 

Der Aufbau folgt einer klaren Logik – von oben nach unten: 

  1. Umsatzerlöse – ganz oben steht, was Du eingenommen hast. 
  1. Kostenblöcke – darunter werden alle Ausgaben in Gruppen sortiert: Personalkosten, Raumkosten, Versicherungen und Beiträge, Kfz-Kosten, Werbe- und Reisekosten, Abschreibungen, sonstige Kosten. 
  1. Gesamtkosten – die Summe daraus. 
  1. Betriebsergebnis – Umsatz minus Kosten. Das ist die Zahl, um die es geht. 

Und dann sind da die Spalten. Dorothea sieht den aktuellen Monat, den Vormonat zum Vergleich und – für sie am spannendsten – die Spalte kumuliert, also alles seit Januar aufsummiert. Dazu jeweils der Prozentwert vom Umsatz. 

„Ah”, macht Dorothea. „Deshalb also.” Denn genau hier liegt der Nutzen: Nicht nur der einzelne Euro-Betrag sagt ihr etwas, sondern das Verhältnis. Wenn ihre Raumkosten zwölf Prozent ihres Umsatzes auffressen, ist das eine Aussage. Wenn sie im nächsten Halbjahr nur noch acht Prozent sind, weil der Umsatz gestiegen ist, ist das eine viel bessere.

Und dann stutzt sie

Dorothea liest die Kostenzeilen von oben nach unten durch. Raumkosten – passt, ihre nachgetragenen 210,60 Euro pro Monat. Versicherungen und Beiträge – die Gewerbehaftpflicht, korrekt. Sonstige Kosten – Bürobedarf, Fachliteratur, Softwaregebühren, alles plausibel. 

Und dann: Werbe- und Reisekosten. Ein erstaunlich hoher Betrag. 

Dorothea runzelt die Stirn. Reisekosten? Sie ist in diesen ersten Monaten ihrer Selbstständigkeit nirgendwohin gereist. Ihre Kundengespräche laufen online, sie sitzt in ihrem Arbeitszimmer. Kein Hotel, keine Bahnfahrt, kein Verpflegungsmehraufwand. 

Ihr erster Gedanke ist der, den wir alle kennen: Ich habe etwas falsch gebucht. 

Die Spurensuche

Statt in Panik zu verfallen, macht Dorothea das, was sie gelernt hat: Sie geht eine Ebene tiefer. Die BWA ist eine Verdichtung – wer wissen will, was dahintersteckt, muss in die Sachkonten schauen. 

Sie öffnet also die Kontenübersicht und arbeitet sich durch die Salden. Und findet die Buchungen, die den Betrag ausmachen: 

  • 4600 Werbekosten – die Rechnungen von Google und Meta für ihre Anzeigen. 

Es sind exakt die Ausgaben aus Teil 6, die sie damals sorgfältig zugeordnet hatte. Auf den Reisekostenkonten dagegen: Null. Kein einziger Cent.

Kein Fehler – nur eine irreführende Beschriftung

Und da fällt der Groschen. Dorothea hat gar nichts falsch gemacht. 

Die BWA fasst nicht einzelne Konten aus, sondern Kontengruppen. Werbekosten und Reisekosten liegen im Kontenrahmen dicht beieinander und werden in der Standard-BWA zu einer Zeile zusammengezogen: „Werbe-/Reisekosten”.  

BerufsWege für Frauen und Social Business Women e.V., Weiterbildung für Frauen, Buchhaltung, Frau sitzt am Schreibtisch und macht eine Auswertung, vor ihr liegen mehrere Papiere mit Grafiken

Dorothea lehnt sich zurück und muss lachen. Ihre Werbeausgaben stehen also genau da, wo sie hingehören. Es war nie ein Buchungsfehler, sondern eine Frage der Beschriftung. 

Für sie ist das ein Learning, das über diesen einen Fall hinausgeht: 

  • Die BWA zeigt Gruppen, nicht einzelne Konten. 
  • Wenn eine Zahl komisch aussieht, ist der Weg immer derselbe: rein ins Sachkonto und nachschauen. 
Der zweite Check: Was ist aus den GWG geworden?

Weil sie gerade dabei ist, prüft Dorothea auch gleich die andere offene Frage aus Teil 7: Sind ihre Anschaffungen korrekt in der Auswertung gelandet? 

Sie schaut in die Zeile Abschreibungen – und da stehen sie. Schreibtisch, Stuhl, Drucker: die Sofortabschreibungen auf ihre geringwertigen Wirtschaftsgüter, sauber als Aufwand erfasst. Webcam und Mikrofon findet sie erwartungsgemäß nicht dort, sondern beim sonstigen Betriebsbedarf – jedes Teil lag ja unter 250 Euro netto. 

Das Konto 480 selbst steht in den Sachkonten auf null, genau wie im Coaching erklärt. Die Anschaffung ist dokumentiert, der Aufwand ist gebucht, das Ergebnis stimmt. Check ✓ 

Was Dorothea aus ihrer ersten BWA mitnimmt

Dorothea fällt auf, wie sehr sich ihr Blick verändert hat. Vor sechs Monaten saß sie vor einem Berg Zettel und wusste nicht, wo sie anfangen soll. Heute liest sie eine Auswertung und weiß, welche Frage sie stellen muss, wenn eine Zahl nicht passt. 

Sie überlegt: Sie lädt ihre Belege regelmäßig hoch. Sie ordnet zu, sie prüft, sie kontrolliert monatlich ihre Kontobewegungen. Sie weiß, wo ihre Daten liegen und wie sie dorthin gekommen sind. Kurz: Sie hat Routinen.

Und genau in diesem Moment erinnert sie sich an eine Präsentation, die ihr ihre Buchhaltungs-Coachin gegeben hatte und die sie damals ehrfürchtig zur Seite gelegt hatte: die Verfahrensdokumentation. 

„Jetzt”, denkt Dorothea, „jetzt kann ich die schreiben. Denn jetzt weiß ich endlich, was ich eigentlich tue.” 

Wie Dorothea aus ihren Routinen eine echte Verfahrensdokumentation macht – und warum das kein Bürokratiemonster ist, sondern ihre Absicherung –, das erfährst Du im nächsten Teil unserer Reihe: Buchhaltung für Gründerinnen – Wie Zahlen zum Spaß-Faktor werden.

Heike Fohrmann – www.hfohrmann.de – www.jahreskreis-der-buchhaltung.de

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